Oolong Tee Zubereitung: Ziehzeit, Temperatur und Mehrfachaufguss
Oolong Tee ist der Tee, bei dem sich sorgfältige Zubereitung am meisten lohnt. Kein anderer Aufguss belohnt dich mit so vielen unterschiedlichen Tassen aus derselben Portion Blätter, und kaum einer verzeiht dabei so viel. Die gerollten Blätter brauchen nur ein paar Grundregeln, dann entfalten sie ihr komplettes Spektrum. In diesem Ratgeber erfährst du die richtige Ziehzeit für Oolong, welche Temperatur zu hellen und dunklen Sorten passt, wie der Mehrfachaufguss funktioniert und welche Fehler du vermeiden solltest.
Als Faustregel gilt: Oolong zieht beim ersten Aufguss 1 bis 3 Minuten bei 80 bis 90 Grad Wassertemperatur. Innerhalb dieser Spanne entscheidest du über den Charakter der Tasse. Kürzer gezogen bleibt der Aufguss leicht und blumig, länger gezogen wird er kräftiger und zeigt mehr Körper.
Der große Unterschied zu Grün und Schwarztee: Bei Oolong ist die erste Ziehzeit nur der Anfang. Die fest gerollten Blätter geben ihre Aromen bewusst langsam ab, weil sie für mehrere Aufgüsse gemacht sind. Ein zu langer erster Aufguss verschenkt deshalb Potenzial, denn was jetzt herausgezogen wird, fehlt später. Starte lieber kurz und verlängere von Aufguss zu Aufguss.
Oolong ist hitzeverträglicher als Grüntee, aber empfindlicher als Schwarztee. Der passende Bereich hängt vom Oxidationsgrad ab:
Ohne Thermometer erreichst du das, indem du aufgekochtes Wasser drei bis fünf Minuten abkühlen lässt, pro Minute verliert es grob fünf Grad. Kochendes Wasser direkt auf einen hellen Oolong macht den Aufguss unnötig herb und überdeckt die feinen Blütennoten.
Hier zeigt Oolong seine schönste Seite. Hochwertige Sorten lassen sich drei bis fünf Mal aufgießen, manche sogar öfter, und jeder Aufguss schmeckt anders. Der erste ist meist frisch und blumig, der zweite oft am vollsten und rundesten, danach wird es zunehmend milder und weicher.
Für die Zeiten gilt eine einfache Regel: Verlängere jeden Folgeaufguss um etwa 30 Sekunden bis eine Minute. Der erste Aufguss 1 bis 2 Minuten, der zweite 2 bis 3, der dritte 3 bis 4 und so weiter. Die Temperatur darf mit jedem Aufguss leicht steigen. Wichtig ist nur, die feuchten Blätter zwischen den Aufgüssen nicht stundenlang stehen zu lassen, innerhalb weniger Stunden am selben Tag ist das unproblematisch. Ein praktischer Nebeneffekt: Mit jedem Aufguss sinkt der Koffeingehalt, mehr dazu im Ratgeber zu Oolong Tee und Koffein.
Oolong Tee
Oolong Blätter sind fest gerollt und entfalten sich beim Aufgießen auf ein Vielfaches ihres Volumens. Ein gehäufter Teelöffel auf 250 Milliliter ist ein guter Richtwert, das entspricht etwa drei Gramm. Wichtiger als die exakte Menge ist der Platz: Die Blätter brauchen Raum, um sich zu öffnen. Ein großzügiges Sieb oder eine Kanne mit weitem Siebeinsatz ist deshalb Pflicht, in einer engen Teekugel bleibt ein erheblicher Teil des Aromas gefangen.
Für den traditionellen Genuss eignet sich die chinesische Gongfu Methode mit kleinen Gefäßen und sehr kurzen Aufgüssen von zwanzig bis vierzig Sekunden, dafür entsprechend mehr Blättern. Nötig ist das nicht, eine normale Kanne mit gutem Sieb reicht völlig. Passende Modelle findest du in unserer Teekannen Kategorie.
Oolong eignet sich hervorragend für die kalte Zubereitung, und das Ergebnis überrascht viele. Setze dafür die doppelte Blattmenge mit kaltem Wasser an, also etwa zwei gehäufte Teelöffel auf 250 Milliliter, und stelle den Ansatz vier bis acht Stunden oder über Nacht in den Kühlschrank. Danach absieben und trinken.
Weil sich Gerbstoffe in kaltem Wasser deutlich langsamer lösen als Aromen, fällt der Cold Brew merklich süßlicher und weicher aus als der heiße Aufguss. Besonders helle, blumige Oolongs zeigen dabei eine Seite, die heiß gar nicht zur Geltung kommt. Ein praktischer Nebeneffekt: Auch das Koffein löst sich langsamer, der kalte Aufguss fällt also milder aus. Für heiße Sommertage ist das die entspannteste Art, Oolong zu genießen, ganz ohne Zucker.
Drei Fehler begegnen uns immer wieder. Der erste ist kochendes Wasser auf hellen Sorten, wodurch die feinen Blütennoten von Herbe überdeckt werden. Der zweite ist ein zu langer erster Aufguss, der das Potenzial für die Folgeaufgüsse verschenkt. Der dritte ist ein zu kleines Sieb, in dem sich die gerollten Blätter nicht entfalten können.
Und ein vierter, der eher schade als falsch ist: die Blätter nach dem ersten Aufguss wegzuwerfen. Bei Oolong ist der zweite Aufguss oft der beste, und wer nur einmal aufgießt, zahlt am Ende deutlich mehr pro Tasse als nötig. Gerade bei hochwertigen Sorten relativiert der Mehrfachaufguss den Grammpreis erheblich.
Beim ersten Aufguss 1 bis 3 Minuten, danach jeden Folgeaufguss um 30 Sekunden bis eine Minute verlängern. Starte eher kurz, denn was du beim ersten Aufguss herausziehst, fehlt bei den folgenden. Guter Oolong hält drei bis fünf Aufgüsse.
Helle Oolongs mit 80 bis 85 Grad, dunkle geröstete Sorten mit 90 bis 95 Grad. Im Zweifel funktionieren 85 Grad bei praktisch jedem Oolong. Lass aufgekochtes Wasser dafür drei bis fünf Minuten abkühlen oder nutze einen Wasserkocher mit Temperaturwahl.
Drei bis fünf Mal, hochwertige Sorten auch öfter. Der zweite Aufguss schmeckt oft am vollsten. Verlängere jedes Mal die Ziehzeit und lass die Temperatur leicht steigen. Verbrauche die Blätter am selben Tag, dann ist der Mehrfachaufguss unproblematisch.
Deutlich seltener als Grüntee. Bitterkeit entsteht bei Oolong vor allem durch zu heißes Wasser bei hellen Sorten oder durch sehr lange Ziehzeiten. Bei 80 bis 90 Grad und Ziehzeiten unter drei Minuten passiert das praktisch nicht.
Die Zubereitung von Oolong Tee folgt einer einfachen Logik: 80 bis 90 Grad je nach Oxidationsgrad, ein kurzer erster Aufguss von ein bis drei Minuten und dann von Mal zu Mal etwas länger. Wer den Blättern genug Platz gibt und drei bis fünf Aufgüsse nutzt, holt aus einer Portion mehrere unterschiedliche Tassen heraus und senkt nebenbei den Preis pro Tasse deutlich. Losen Oolong mit klarer Zubereitungsempfehlung findest du im Sortiment von Rootl.